THE DEVINE PLAN – Das Wetter als Chance

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Natürlich jammern wir alle herum, dass der Winter zu lange dauert, die Wiesen nicht grün, die ersten Knospen noch nicht zum Aufplatzen drall sind, die Straßenräumung schon eingepackt hat und irgendwas mit unseren Hormonen im Unreinen sein muss. Manche schwächeln schon das dritte Mal in der Saison grippal infiziert und holen sich mentale Wärme, wenn möglich, von kondolierenden Artgenossen, denen der später Frühlingbeginn auch schon ordentlich auf den Wecker fällt.
Aber wäre es denn nicht denkbar, dass hinter dieser anormalen atmosphärischen Zirkulation ein perfider Geschäftsplan der Oberen steckt? Nein, ich denke nicht an eine evolutionär geplante Völkerwanderung der Robben, Elche und Pinguine! Ganz im Ernst. Kann es nicht auch möglich sein, dass sich die Natur oder –  für die Anhänger transzendenter Phänomene ein höheres Wesen – dazu entschlossen hat, uns ein interessantes Gesprächsthema mit Resignationseffekt zu liefern? Klingt seltsam? Mag sein, aber wenn ich astralbeleibt irgendwo herumschwebte und kein Haus und keine Tür vor mir sicher wäre, der göttliche Therapeut nicht greifbar und der Frust so groß, dass ich mir in meiner Verzweiflung ob der menschlichen Trivialjammereien täglich meinen Rauschebart raufte, käme ich vielleicht auf ähnliche Gedanken.
Ich difundierte vielleicht gerade durch die Wand zu einer x-beliebige Gesellschaft und sähe dort eine Gruppe von Leutchen am Tisch sitzen und müsste miterleben, wie sie fakten- und menschenverachtend über das Übel der der Welt diskutierten. Hörte die kompensatorisch stetig steigernden anzüglichen Witzchen der ehemaligen Alphamännchen, sich in Hitze redend bis zur direkten Tourette-Penetration, selbst wenn die Anwesenden die Decke der höflichen Ignoranz darüber breiteten? Müsste mitansehen, wie die im Prä-Kreuzworträtsel-Stadium befindliche Herren, Körperkontakt suchend, wildfremde Frauen umarmten und mit dem heiseren Brustton der Überzeugung ihre Weisheiten herausbliesen, dabei antiken Rasierwasserduft mit einer Spur von Alkohol- und Zahnersatzaroma verströmend, als gelte es atmosphärischen Überdruck zu erzeugen? Gefeit gegen die Ordnungsrufe von eventuell anwesenden Alpha-Mädchen und gegen die Blicke, das Kopfschütteln und die Anwesenheit der von ihnen auf ihr Lebenserfahrungskorn genommenen Geschlechts- und Herkunftsgruppen.
Nun, als Steuermann dieses menschlichen Ameisenvolkes käme mir dann vielleicht in den Sinn, dass hier einiges nicht auf jenem Kurs ist, den ich mit der Extended-Version-Erdenkind, Punkt 3, vorgegeben habe. Das mit dem Auf-Die-Brust-Trommeln wäre doch für die niederen Primaten vorgesehen, oder? Die Sache mit dem Fortpflanzungstrieb war als Sache der dafür extra eingerichteten Extremitäten und nicht via Sprache angedacht gewesen. Die Fähigkeit zur Artikulation sollte ein Tool für den gegenseitigen Austausch sein, für die Weitergabe überlebensrelevanter und kultureller Erkenntnisse. Und bei der sogenannter Körperintelligenz, wäre ich mit meinem Entwicklerteam ganz sicher im Konsens gewesen, dass sie für die Schaffung von Bildnissen, Kunstwerken und dergleichen installiert sei. Nicht, um Striche auf Bierdeckeln zu malen um mangelndes Gedächtnis über die Anzahl der konsumierte Flüssigkeiten zu kompensieren oder Streitschriften zu verfassen.
Schnell würde ich mich nach draußen zurückziehen um mein energetisches Sein zu bündeln. Und, Heureka!, ich fände die Lösung: die Leutchen müssen beschäftigt werden. Passend, subtil und unverfänglich. Wie besser, als mit dem Wetter? Eine leichte Übung. Schnee Ende März, ein Erfolgsrezept um Demut und Gemeinschaft in der Plage zu erzeugen. Hitze im Sommer, ein nahezu unversiegbarer Quell des Mäkelns mit erfolgsgesicherter Schicksalsergebenheit und nachhaltiger Sprachlosigkeit infolge kalorischer Überforderung.
Okay, vielleicht irre ich mich auch und der miese Frühling ist nur Zufall oder auf die Klimaerwärmung zurückzuführen. Klima-Erwärmung, wer hat bloß diesen komischen Ausdruck geprägt? Es ist saukalt!
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Plan ist sich so seltsam rücksichts- und pietätlos zu verhalten. Oder, sind da etwa welche vom Stamm Homo durchgerutscht, die das letzte Release auf sapiens nicht down-geladen haben?

Ich jedenfalls rolle jetzt wieder meinen Lieblingsfelsen vor den Eingang meiner Höhle und rühre mich nicht vom Fleck bis ich morgen wieder in die raue Wirklichkeit des Dschungels namens Zivilisation hinaus muss.

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